Elfenland

Alan R. Moon: Elfenland

Mit Drachen, Einhörnern und Riesen oder aber auch auf Wolken durch eine verwunschene Phantasielandschaft reisen, das hat seinen Reiz. Obwohl die ausgefuchste Mechanik dominiert, fühlt sich die Reise thematisch an. Elfenland bietet ein planungsintensives und interaktives Spiel auf gehobenem Familienniveau ohne große Komplexität an. Für einen günstigen Preis bekommt man ein Spielerlebnis, das auch über zwanzig Jahre nach Erscheinen noch Spaß macht.

Bewertung: Nett!

Geschichte: Reise durch eine Phantasiewelt

Reisespiele haben hier zu Lande eine lange Tradition. Deutschlandreise erschien erstmals bereits in den Dreißiger Jahren. Das Augenmerk lag auf der Vermittlung geografischer Kenntnisse, entsprechend wenig war spielerisch geboten. Bei Elfenland vom englischen Autor Alan R. Moon verhält sich das anders herum: Geografisch gibt es nichts zu lernen, weil es in einer Phantasiewelt spielt, dafür ist der spielerische Anspruch deutlich höher. Dieser Ansatz hat so gut funktioniert, dass Elfenland 1998 zum Spiel des Jahres gekürt wurde.

Mechanik: Karten und Kärtchen kombinieren

Mit Karten und Kärtchen gilt es seinen Elfenstiefel durch möglichst viele Städte des Elfenlands zu steuern. Reihum legt man dazu Kärtchen als Transportmittel offen auf eine noch verfügbare Verbindungsstrecke, zu der man dazu passende Karten auf der Hand hat, andernfalls wird es teuer dort zu bereisen. Allerdings dürfen auch alle anderen mit passenden Karten das Transportmittel benutzen. Folglich versucht man, die eigenen Kärtchen möglichst so zu legen, dass sie die anderen zu stören, während man deren Transportmittel möglichst optimal in die eigenen Planungen einbezieht. Denn gereist wird erst am Ende der Runde, wenn alle Transportmittel ausgelegt wurden. Manchmal kann man dann sein Glück kaum fassen, manch anderes Mal gibt es aber auch Frust, zumal noch zusätzlich buchstäblich Baumstämme in den Weg gelegt werden können.

Interaktion: fremde Aktionen zu eigenen machen

Ohne die anderen geht hier nichts, manchmal aber auch mit ihnen nicht. Man muss deren Planungen in die eigenen einfließen lassen, besser noch vorher sehen und stören. Umgekehrt gilt: Man muss auch auf gegnerische Störmanöver gefasst sein. Wer die Aktionen der anderen geschickt für sich zu nutzen weiß, gewinnt.

Glück: und geschickte Planung

Wie bei einem reinen Kartenspiel muss man mit dem arbeiten, was man bekommt. Bei Elfenland sind das zu Rundenbeginn acht Karten vom verdeckten Stapel. Dazu zieht man dann die passenden Kärtchen, jedoch liegen nicht immer die richtigen aus. Zieht man dann verdeckt, muss einem das Glück bei sechs verschiedenen Transportmittel schon sehr hold sein. Passen dann die Transportmittel nicht zu den Anforderungen der Umgebung, in der man sich auf dem Spielplan gerade rumtreibt, hilft alles nichts. Ein wenig Glück braucht es bei Elfenland also schon, geschickte Planung aber noch viel mehr – oder Mitspieler, die zufällig die richtigen Kärtchen legen.

Aufmachung: grundsolide

Grundsolide kommt Elfenland daher: ein großer, phantasievoll gestalteter Spielplan, Elfenstiefel aus Holz, Ortssteine aus Holz, robuste Karten, dicke Kärtchen. Keine Schnörkel, kein Schnick-Schnack, keine Materialschwächen.

Komplexität: leicht und schwer zugleich

Vom Ablauf her ist Elfenland schnell erklärt und leicht verständlich. Der Spielverlauf jedoch hat es in sich. Er hält so manche Gemeinheit und Schwierigkeit bereit. Elfenland lebt von der Spieldynamik und nicht von einem ausufernden Regelwerk.

Thematik: Elfenland

Das Spiel macht seinem Namen alle Ehre: Da gibt es verwunschene Landschaften, Drachen, Einhörner und Riesen. Sogar mit Wolken kann man reisen. Obwohl der Mechanismus recht abstrakt ist, fühlt sich die Reise durchs Elfenland auch wie eine solche an.

Spieldauer: 60 Minuten

Elfenland hat die für ein gehobenes Familienspiel perfekte Spieldauer: Es ist nicht gleich wieder vorbei, aber dauert auch nicht so lange, dass die Kinder unruhig oder müde werden. Nach vier Mal Reise planen und einer Stunde Spielzeit steht die oder der Sieger fest.

Spielerzahl: 3-6

Da Elfenland genau vier Durchgänge mit wechselndem Startspieler vorgibt, steht die optimale Spielerzahl von vornherein fest: vier. In allen anderen Spielerzahlen gibt es eine leichte Schieflage, weil hinten sitzen oder anfangen jeweils bestimmte Vor- und Nachteile mit sich bringen. Das lässt sich aber verschmerzen, zumal es nicht so viele brauchbare Spiele für eine größere Anzahl von Spielern gibt. Bei wenigen Spielern sieht die Sache anders aus: Mit zwei Spielern, wie vom Verlag Amigo angegeben, muss es deshalb nicht unbedingt Elfenland sein, weil man sich dann auf dem Plan noch weniger in die Quere kommt wie zu dritt.

Spielalter: ab 10

Verständlich ist das Spiel grundsätzlich auch früher als mit zehn Jahren, aber es droht dann doch die Gefahr, bei der Spieldynamik unter die Räder zu kommen. Leicht kann es bei jüngeren Kindern dadurch passieren, dass sie den Spaß an der Sache verlieren.

Spielgefühl: Potential verschenkt

Reisen wollen gut geplant sein. Das gilt auch für Elfenland. Dass das nicht jede:r für sich allein kann, sondern dazu gezwungen ist, die Gelegenheiten zu nutzen, die sich bieten, verleiht dem Spiel Würze. Das alles bietet ein anregendes, vielseitiges Spielerlebnis. Zwei Dinge trüben den Spaß allerdings: Wenn mal eine Runde fast gar nichts vorwärts geht, macht sich bei so manchem Mitspieler Frust breit, weil die Planung zuvor nicht wenig Mühe gemacht hat. Zum anderen ist die Zahl der Reiseziele so bemessen, dass Spieler regelmäßig fast das ganze Brett abräumen, was dem Spiel etwas unnötig die Herausforderung raubt, nächstes Mal noch mehr zu schaffen.

Autor: Alan R. Moon

Der Autor von Elfenland ist unter Spielern wohlbekannt. Das liegt allerdings nicht so sehr an Elfenland, sondern weit mehr noch an jenem Spiel, mit dem er sechs Jahre später zum zweiten Mal ein Spiel des Jahres landete: Zug um Zug!

Preis: großes Spiel zum kleinen Preis

Nach all den Jahren gibt es Elfenland noch immer zu kaufen und das zu einem fairen Preis von unter zwanzig Euro. Hier bekommt man ein großes Spiel zum kleinen Preis.

Vergleich: wo bleibt ein Nachahmer?

Viele Spielmechanismen aus den 90er Jahren sind in zahlreichen Varianten mit Erfolg nachgeahmt worden. Die Kombinatorik aus Landschaft, Karten und Kärtchen hat jedoch keinen nennenswerten Nachfolger gefunden. Bis heute bietet Elfenland deshalb ein besonderes Spielerlebnis, obwohl man sich manchmal zumindest einen anderen Spielplan wünschen würde.

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