Zug um Zug

Alan R. Moon: Zug um Zug

Eisenbahnbau lässt viele Kinderherzen höher schlagen. Umso schöner, wenn es auch für die Eltern ansprechend und spannend betrieben werden kann. Bei Zug um Zug entbrennt ein eifriger Wettstreit um den Streckenbau, ohne dass es verbissen zugeht. Die Regeln sind einfach und doch ist das Spiel nicht banal. In jedem Fall entsteht in kurzer Zeit ein ansehnliches Streckennetz. Ein bis heute viel gespieltes Spiel des Jahres von 2004.

Bewertung: Empfehlung!

Geschichte: das zweite Zugspiel

1999 erscheint das Spiel Union Pacific von Alan R. Moon, in dem Nordamerika mit einem Schienennetz überzogen wird. Fünf Jahre später weist die Karte von Zug um Zug unverkennbare Ähnlichkeiten dazu auf. Das Spiel selbst gibt sich aber deutlich zugänglicher. Gemessen an den Regeln ist Union Pacific nicht schwierig, doch dreht sich der Spielablauf vor allem darum, Aktienmehrheiten zu gewinnen. Das freilich gestaltet sich für jüngere Spieler nicht so eingängig, wie der Schienenbau selbst. Die damit verbundene Familienfreundlichkeit beschehrt Zug um Zug denn auch großen Erfolg.

Mechanik: netzwerken

Immer wieder ist es eine Freude, ein Schienennetz zu errichten. Zug um Zug macht dies leicht möglich, ohne aber ins banale oder eintönig abzugleiten. Man sammelt Karten der passenden Farbe und verbindet dann von Aufträgen vorgegebene Städte, sodass ein ansehnliches Netzwerk entsteht. Da andere das gleiche machen, kommt man sich regelmäßig in die Quere. Fertig ist eine ebenso lockeres wie packendes Familienspiel.

Interaktion: Strecken wegschnappen

Unbehelligt zieht zwar jede:r Karten und baut Strecken. Ständig wird man dabei aber von der Angst begleitet, dass jemand die benötigte Strecke zuerst nutzt und man dann einen Umweg nehmen oder gar einen Auftrag aufgeben muss. Da man nie wissen kann, wo die anderen lang müssen, liegt die ganze Partie über Spannung in der Luft.

Glück: doppeltes Kartenglück

Oft genug liegen keine brauchbaren Karten aus, sodass man auf das nötige Glück angewiesen ist, um bei acht Farben das richtige zu ziehen. Mindestens ebenso wichtig ist, welche Auftragskarten man bekommt. Gleich zu Beginn punkteträchtige Strecken zu ziehen, die sich möglichst noch gut kombinieren lassen, verschafft das eine gute Ausgangslage. Wenn weitere Aufträge später dann nicht allzu weit fernab liegen, rückt der Sieg in greifbare nähe.

Aufmachung: Landkarten und Passagierwagen

Lagen bei den alten Ausgaben noch kleinformatige Karten bei, so hat man heute dieses einzige Manko der Ausstattung behoben. Deren Gestaltung ist ebenso gelungen wie die des Spielbretts. Mit soliden Waggons überzieht man darauf Nordamerika mit seinen Strecken.

Komplexität: Netzplanung

Zwei Waggon-Karten ziehen, eine Strecke bauen oder Aufträge nehmen. Einfacher können Regeln kaum sein. Die ganze Schwierigkeit ergibt sich daraus, die zu erreichenden Städte mit möglichst elegant miteinander zu verbinden. Falls jüngeren Kindern die Netzwerkplanung anfangs nicht so leicht fällt, kann man die ersten Partien mit offenen Karten spielen und ihnen ein wenig den Weg weisen.

Thematik: Eisenbahn

Trotz der leichten Zugänglichkeit fängt Zug um Zug den Eisenbahnbau wunderbar ein. Man kann sich richtig als Streckenplaner fühlen und zum Schluss auf ein ausgedehntes Schienennetz blicken.

Spieldauer: 45 Minuten

Für ein Familienspiel ist die Dauer von ungefähr einer Dreiviertelstunde optimal: Die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder wird nicht überreizt und trotzdem fällt das Vergnügen nicht allzu kurz aus. Außerdem wird es nicht gleich spät, wenn mal ein Zug nicht ganz so schnell von der Hand geht.

Spielerzahl: 2-5

Tatsächlich spielt sich Zug um Zug mit allen Spielerzahlen ordentlich, die der Verlag angegeben hat. Zu zweit ist noch reichlich Platz und zu fünft wird es richtig eng, aber trotzdem bleibt der Spielreiz hoch. Manche bevorzugen gerade die Entspanntheit bei wenig Spielern, andere mögen den Wettstreit bei vielen.

Spielalter: ab 8 oder 9 Jahren

Von den geforderten Fertigkeiten her ist das Spiel für 8-Jährige durchaus spielbar. Allerdings verzetteln sie sich in diesem Alter bei der Planung des Netzwerks und fühlen sich deshalb nicht ganz wohl bei der Sache. Mit 9 oder 10 Jahren fällt der Einstieg leichter.

Spielgefühl: Schienen verlegen um die Wette

Bei Zug um Zug werden Schienen um die Wette verlegt. Ständig hofft man, dass einem niemand die Strecke verbaut. Trotzdem bleibt die Atmosphäre locker, weil die Angelegenheit nicht allzu konfrontativ abläuft und Städte in der Regel über Umwege erreichbar bleiben. Nicht ganz stimmig fühlt sich an, dass man gegen Ende des Spiels Aufträge auf gut Glück ziehen kann. Das nimmt manchmal geradezu den Charakter einer Zockerei an und ist etwas nachteilig für Kinder, weil ihnen das eher fern liegt.

Autor: Alan R. Moon

Alan R. Moon hat zahlreiche Spiele kreiert und konnte bereits 1998 mit Elfenland die Auszeichnung Spiel des Jahres gewinnen. Der Erfolg von Zug um Zug überragt alles andere, dass sein Name beinahe nur noch damit in Verbindung gebracht wird.

Preis: angemessen

Für unter 40 Euro bekommt man von Days of Wonder ein wunderbares Eisenbahnspiel für die ganze Familien. Die Ausstattung ist von tadelloser Qualität.

Erweiterungen: Spielpläne aus aller Welt

Da das Spielerlebnis nicht unwesentlich vom Spielplan abhängt, gibt es mittlerweile zahlreiche Varianten mit Landkarten aus der ganzen Welt. Immer wieder variiert Alan Moon auch die Regeln ein wenig.

Vergleich: unkomplizierter Streckenbau

Eisenbahnspiele haben unter Brettspielern viele Anhänger. Doch nur wenige eignen sich für die Familie. Zug um Zug ist wohl das beste Familienspiel in diesem Themenfeld. Ganz nebenbei kommt auch ein wenig Reisegefühl auf.

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