Mikado versus Tier auf Tier

Mikado
Klaus Miltenberger: Tier auf Tier
Klaus Miltenberger: Tier auf Tier

Geschicklichkeitsspiele üben einen großen Reiz auf kleine Kinder aus, führen aber ebenso oft zu Frustration, weil es eben noch an Geschicklichkeit mangelt. Tier auf Tier bietet hierfür eine familienfreundliche Lösung, die Geschicklichkeit und Glück so verbindet, dass alle Generationen ihren Spaß haben. Dafür trägt der Klassiker Mikado auch nach dem Grundschulalter.

Geschichte: schon die Römer zogen Stäbchen

Von einem Verlag regulär veröffentlicht wurde Mikado erst um 1850, die Spielidee ist aber viel älter und anders als der Name vermuten lässt nicht originär asiatisch. Der heutige Name ist zwar von einer veralteten Bezeichnung des japanischen Kaisers inspiriert, doch schon die Römer versuchten, wackelfrei Stäbchen aus einem Durcheinander zu ziehen. Mittlerweile gibt es viele andere Geschicklichkeitsspiele. Für Kinder sticht eins aber heraus, das Haba 2005 auf den Markt brachte: Tier auf Tier!

Mechanik: abbauen versus aufbauen

Bei Mikado lässt man erst die Stäbchen durcheinander wirbeln, um sie dann einem nach dem anderen wieder zu bergen, ohne dass andere wackeln. Gerne nimmt man dabei auch schon gewonnene Stäbe zu Hilfe und schleudert dann aufliegende Zielobjekte im hohen Bogen durch den Raum. Das bringt ein wenig Spektakel ins zittrige Spiel. Umgekehrt läuft es bei Tier auf Tier: Hier stapelt man ein Tier ums andere aufs Krokodil und dann irgendwann auf die schon aufliegenden Tiere. Das Tierchaos wird im größer, der Stapel immer wackliger und irgendwann bricht er bei jemandem zusammen und dessen Zoo, den sie oder er eigentlich loswerden wollte, erweitert sich beträchtlich.

Interaktion: bloß keine Vorlagen!

Das Zusammenspiel gestaltet sich bei beiden Spielen relativ gleich: Den anderen das Leben möglichst schwer machen und bloß keine Vorlagen liefern. Gerade bei Mikado kann ein Fehlversuch eine Menge Beute für nachfolgende Spieler liefern. Bei Tier auf Tier erleichtert ein vorangehender Einsturz die Aufgabe deutlich.

Glück: Startposition oder Würfelglück?

Je nachdem wie die Stäbchen fallen, hat der Startspieler bei Mikado leichtes Spiel und kann schon ordentlich Punkte sammeln. Wie geschickt jeweils vorangehende Spieler sind, spielt auch eine erhebliche Rolle. Das fällt bei Tier auf Tier nicht ganz so ins Gewicht, weil der Stapel in der Regel mehrere Anbaumöglichkeiten bietet. Der Würfel aber, der jeweils die Aufgabe vorgibt, bringt ordentlich Glück ins Spiel, das herzlich willkommen ist, weil es weniger geschickten Spielern die Gelegenheit bietet, den Besseren ein Schnippchen zu schlagen, sodass altersunabhängig alle gut mitspielen können.

Aufmachung: dünnes versus dickes Holz

Mikado kommt sehr puristisch daher. 41 zarte Stäbe mit ein paar farblichen Markierungen – das war’s. Dem Spiel verleiht das eine gewisse Eleganz und ein winziges Packmaß – zumindest bei der klassischen Stäbchengröße. Tier auf Tier bietet 29 schön gestaltete Tierfiguren aus solidem Holz, die immer noch in eine vergleichsweise kleine Schachtel passen. An die Kompaktheit von Mikado reicht das dennoch bei weitem nicht heran.

Komplexität: simpel

Beide Spiele verzichten gänzlich auf kompliziertes Regelwerk. Tier auf Tier stellt durch die Würfelvorgabe zwar grundsätzlich sechs verschieden Aufgaben, diese sind gerade für kleine Kinder aber verglichen mit Mikado leichter zu meistern.

Thematik: an den (Tier-)Haaren herbeigezogen

So wenig wie bei Mikado der Bezug zum japanischen Adel erkennbar wird, so wenig ist die Tierstapelei von Tier auf Tier thematisch nachvollziehbar. Spaß macht beides trotzdem

Spieldauer: 15 Minuten

Beide Speiel lassen sich schnell mal zwischendurch spielen, weil eine Runde nur circa eine Viertelstunde in Anspruch nimmt.

Spielerzahl: Mikado funktioniert auch zu sechst

Tier auf Tier funktioniert für zwei bis vier Spieler gleichermaßen gut, bei Mikado dürfen es sogar noch zwei mehr sein.

Spielalter: ab 4 Jahren

Grundsätzlich lassen sich beide Spiele ab vier Jahren spielen, wobei Tier auf Tier für die Kleinen zugänglicher sein dürfte. Dafür spielen manche Mikado auch noch im Erwachsenenalter. Beim Tierestapeln dürfte irgendwann im Grundschulalter die Luft raus sein.

Spielgefühl: Geschick und Familienfreundlichkeit

In Mikado kann man es zur Meisterschaft bringen und immer höhere Fertigkeiten entwickeln, sodass deutliche Leistungsunterschiede zum Tragen kommen. Tier auf Tier ist voll und ganz als Familienspiel angelegt, bei dem groß und klein ganz unabhängig von der jeweiligen Geschicklichkeit zusammen Spaß haben können, ohne dass es langweilig oder einseitig wird.

Autoren: Klaus Miltenberger

Zu Mikado ist aufgrund des Alters keine Autorschaft bekannt. Für Tier auf Tier zeichnet Klaus Miltenberger verantwortlich, der ansonsten kaum weitere Spiele entwickelt hat. Dieses eine aber ist nach wie vor ein großer Erfolg.

Preis: Qualität fürs Geld

Mikado bekommt man schon für wenige Euro, aber auch die circa 15 Euro für Tier auf Tier sind angesichts des tollen Materials ein fairer Preis.

Vergleich: gleiche Spielidee, andere Geschwindigkeit

Mikado ist ein Klassiker, der kleinen Kindern oft noch etwas schwer fällt und dadurch nicht so viel Spaß macht. Hier schafft Tier auf Tier Abhilfe und kann Begeisterung entfachen. Ab dem Grundschulalter braucht es dann aber andere Geschicklichkeitsspieler, umd die Kinder bei Laune zu halten.

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