
Und was für eins! Medina ist ein Legespiel aus einem anderen Zeitalter: Einfache Legeregeln, das Spielgeschehen tummelt sich in der Tischmitte und alles lebt vom Gegen- und Miteinander. Am Anfang gibt sich das Spiel etwas spröde, weil es uns nicht an die Hand nimmt, aber genau deshalb lässt es auch für viele Partien Freiräume, die sich nicht alle gleich anfühlen.
Bewertung: Empfehlung!
Medina verlangt eine kleine Lernkurve, sodass Neueinsteiger zwei, drei Partien brauchen, um richtig mitmischen zu können, sodann wird es dafür umso interessanter. Wir taktieren kurzfristig, planen allerdings auch von langer Hand Großes, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Doch die anderen tun das auch und so bleibt bis zum Ende alles offen.
Dann ist da noch das Material: Wir legen keine Plättchen, keine Scheiben und keine Häuschen, wir legen massive Holzteile wie aus aus dem Holzbaukasten unserer Kindheit. Paläste, Mauern, Ställe und Marktbesucher ergeben nach und nach eine richtige Medina auf dem gemeinsamen Spielplan. Da ist keine opulente Grafik, da ist einfaches Material, das der Phantasie Platz lässt.
Der arme Stefan Dorra muss sich angesichts der heutigen Legespiele, die sich so gut verkaufen, die Haare raufen. Nur weil Brettspiele damals noch nicht solche Verkaufszahlen erzielten, ist sein Werk beinahe unbekannt, obwohl es doch so viel mehr Gesellschaftsspiel ist.
Das kann man von den heutigen Legespielen schon fast nicht mehr behaupten: Denn da nehmen die Leute aus der Mitte, was ganz offensichtlich am besten in die je eigene Auslage passt und basteln für sich auf irgendwelche willkürlichen Ziele hin. Anderen etwas weg zu nehmen, weil es denen viele Punkte bringt, verbietet sich schon deshalb, weil es uns schadet. Andere Interaktionsmöglichkeiten gibt es aber nicht. Es geht noch solitärer zu als bei einem Puzzle. Anstatt gemeinsam an einem Bild zu puzzlen, puzzelt ein jedes an seiner eigenen Auslage.
Ob die heute Legespielenden mehr Interaktion nicht mögen oder nicht kennen? Wir wissen es nicht. Vielleicht haben sie auch Angst vor Konfrontation. Das wäre schade, denn Medina ist nicht konfrontativ, vielmehr müssen wir uns gegenseitig zu Nutze machen, was die anderen bauen. Es ist gewissermaßen kollaborativ, nur bekommen nicht alle gleich viel ab. Aber ja, es ist nicht so harmlos wie puzzeln – und nicht so langweilig.
| Spiel | Medina |
| Autor | Stefan Dorra |
| Alter | 10 |
| Dauer | 60 |
| Bewertung | ![]() |
| 1 Spieler | ![]() |
| 2 Spieler | ![]() |
| 3 Spieler | ![]() |
| 4 Spieler | ![]() |
| 5 Spieler | ![]() |
| 6 Spieler | ![]() |
| 7+ Spieler | ![]() |
| Aufmachung optisch | ![]() |
| Aufmachung funktional | ![]() |
| thematisch | ![]() |
| Kinderspiel | ![]() |
| Familienspiel | ![]() |
| Kennerspiel | ![]() |
| Vielspieler | ![]() |
| Zugänglichkeit | ![]() |
| Regeleingängigkeit | ![]() |
| Glücksfaktor | ![]() |
| Taktik | ![]() |
| Strategie(n) | ![]() |
| Timing | ![]() |
| Interaktion | ![]() |
| Konfrontation | ![]() |
| Kooperation | ![]() |
| Freiraum | ![]() |
| Spielfluss | ![]() |
| Dramaturgie | ![]() |
| Anfangsspaß | ![]() |
| Langzeitspaß | ![]() |





