
Wir schicken Arbeiter in Produktionsstätten für bestimmte Güter, mit denen wir dann neue Produktionsstätten für andere Güter errichten, mit denen wir dann weitere Produktionsstätten für noch anspruchsvollere Güter bauen usw. Anno 1800 bietet eine verblüffend elegante Brettspiel-Umsetzung von Produktionsketten: Anstatt endloser Warenströme begnüngt es sich mit einem einmaligen Vorgang. Es reicht einmal Dosen herzustellen, um festzustellen, dass wir es können. Fortan können wir uns dann dem weiteren Ausbau der Kette widmen und arbeiten uns so vom Sägewerk in Richtung Dampfmaschine. Gleichzeitig benötigen die anspruchsvolleren Produktionsstätten besser ausgebildete Arbeiter, deren Qualifikation wir deshalb Stufe für Stufe erhöhen.
Bewertung: Nett!
In rasendem Tempo machen wir bei Anno 1800 also Fortschritt für Fortschritt, was als gelungene Umsetzung des Videospiels gelten darf. Anders als dieses kann ein Brettspiel seinen Reiz allerdings nicht aus simpler Skalierung des immer Gleichen beziehen: immer mehr und immer größer. Ein Brettspiel muss statt dessen in vergleichsweise kurzer Zeit interessante Entscheidungen, ein lebendiges (Mit-) oder Gegeneinander und von Spiel zu Spiel Abwechslung bieten, damit es fesseln kann. Genau das gelingt Anno 1800 nicht. Die raffinierte Umsetzung von Martin Wallace fasziniert vorübergehend, das hält aber nicht an. Daran wird deutlich, wo der Unterschied zwischen einem Video- und einem Brettspiel liegt und was die Entwicklung von letzteren ebenso schwierig wie es ihre gelungene Umsetzung reizvoll macht.
